
Wenn der Gebührensender lieber wegschaut: Wie das ZDF eine unbequeme UNRWA-Doku verschwinden lässt
Es gibt Wahrheiten, die passen nicht ins Programm. Jedenfalls nicht in jenes Programm, das sich der deutsche Zwangsgebührenzahler Monat für Monat aus der Tasche ziehen lassen muss. Eine 75-minütige Dokumentation über das Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen, kurz UNRWA, hätte Licht in eines der dunkelsten Kapitel des Nahostkonflikts bringen können. Doch das Zweite Deutsche Fernsehen winkte ab. Zu unbequem, zu schmutzig, zu sehr gegen den Strich des etablierten Narrativs gebürstet.
Eine Doku, die zu viele Fragen beantwortet
Der Film „Unraveling UNRWA“ aus der Feder der preisgekrönten Produzenten Reinhardt und Christian Beetz lässt Palästinenser, Israelis, Europäer und Amerikaner zu Wort kommen. Er zeigt, was dem Zuschauer sonst geflissentlich vorenthalten wird: In den Schulen des Hilfswerks würden Kinder zum Hass gegen Juden erzogen, Waffen gelagert, und am Massaker des 7. Oktober hätten nachweislich UNRWA-Mitarbeiter teilgenommen. Wer würde da nicht hellhörig? Die Mainzer Verantwortlichen jedenfalls nicht – die zogen es vor, den Beetz-Brüdern eine Absage zu erteilen.
Die Begründung des Senders klingt nach bürokratischem Achselzucken: Man habe ein angebliches Überangebot an Dokumentationen zu diesem Themenkomplex, weshalb der Vorschlag „nicht angenommen“ worden sei. Wer's glaubt. Tatsächlich liegt der Verdacht nahe, dass der Film schlicht nicht in die vom Sender gepflegte Erzählung passt.
Aus 700.000 wurden sechs Millionen – ein Geschäftsmodell der Endlosigkeit
Werfen wir einen Blick auf die Fakten. Während das eigentliche Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, das UNHCR, weltweit in 130 Ländern nach dauerhaften Lösungen sucht, existiert mit der UNRWA ein zweites, exklusiv für die Palästinenser. Gegründet im Dezember 1949, nach dem verlorenen Krieg der arabischen Armeen gegen den jungen Staat Israel, sollte das Hilfsprogramm ursprünglich temporär sein. Rund 700.000 Araber waren damals in die Nachbarländer geflohen.
Doch statt einer Neuansiedlung in Jordanien, Libanon, Syrien oder Ägypten zu betreiben, tat das Hilfswerk das genaue Gegenteil. Der Flüchtlingsstatus wurde von Generation zu Generation weitervererbt. So kommt es, dass heute sechs Millionen Menschen als „Flüchtlinge“ gelten und Hilfsleistungen beziehen. Ein einzigartiger Mechanismus, der den Konflikt nicht löst, sondern verewigt.
Während eine Million vertriebene Bosnier in den Neunzigerjahren eine neue Heimat fanden, werden die palästinensischen „Flüchtlinge“ mit jeder Generation nicht weniger, sondern mehr. Wer fragt eigentlich, warum?
Schulbücher voller Hass, Märtyrer als Vorbilder
Besonders verstörend liest sich die Schilderung des Bildungssystems. Seit den 1960er Jahren würden UNRWA-Lehrer ihren Schülern ein Nationalbewusstsein und das Dogma des „Rückkehrrechts“ einbläuen. Seit 2016, so die Doku, stelle die Palästinensische Autonomiebehörde die Schulbücher bereit – Bücher, in denen Selbstmordattentate glorifiziert und Terroristen als Vorbilder gepriesen würden. Friedensabkommen mit Israel? Aus den Lehrplänen getilgt. Israel komme im Unterricht nur als Feind vor, dem jegliche historische Berechtigung abgesprochen werde.
Deutsche Steuermilliarden – und niemand weiß, wo sie landen
Und nun zum eigentlichen Skandal, der jeden deutschen Steuerzahler hellhörig machen sollte. Deutschland zählt zu den größten Geldgebern dieser Organisation. Nach dem 7. Oktober, als die Beteiligung von UNRWA-Mitarbeitern an den Massakern bekannt wurde, setzte Berlin die Zahlungen zwar kurzfristig aus. Doch schon 2024 flossen rund 45 Millionen Euro, und im Jahr 2025 summierten sich die deutschen Zahlungen auf stolze 142 Millionen Euro.
Das Auswärtige Amt verkündete dabei nicht etwa Reue, sondern Stolz: „Deutschland bleibt verlässlicher Partner von UNRWA.“ Man gab sich mit ein paar vagen Reformversprechen zufrieden und überwies munter weiter. Ein EU-Parlamentarier räumt in der Doku ein, man könne nicht ausschließen, dass EU-Gelder letztlich bei der Hamas landeten. Über eine Milliarde Euro hätte die EU allein in drei Jahren ausgegeben, danach noch einmal 1,6 Milliarden – und wisse zu wenig darüber, wo das Geld bleibe.
Man stelle sich das einmal vor: Hart erarbeitete Gelder deutscher Bürger fließen womöglich in die Kassen einer dschihadistischen Terrororganisation. Und der öffentlich-rechtliche Rundfunk, finanziert ebenfalls aus Zwangsbeiträgen, hält es nicht für nötig, einen Film zu zeigen, der genau diese Verstrickungen offenlegt. Eine bemerkenswerte Allianz des Wegschauens.
„Mit dem Zweiten sieht man besser“ – wirklich?
Der einstige Werbeslogan des Senders klingt heute wie blanker Hohn. Wer unbequeme Wahrheiten systematisch aus dem Programm verbannt, der sieht eben nicht besser, sondern bestenfalls die Hälfte. Immerhin: Ein Boulevardblatt stellt den Film für zwei Wochen kostenlos online zur Verfügung – mit deutschen Untertiteln. Es bleibt der bittere Beigeschmack, dass freie Medien einspringen müssen, wo der gebührenfinanzierte Apparat seiner Aufgabe nicht nachkommt.
Wer den Nahostkonflikt verstehen will, der muss bereit sein, alle Seiten zu betrachten – auch die unangenehmen. Dass ausgerechnet ein öffentlich-rechtlicher Sender diesem Anspruch nicht gerecht wird, sondern lieber dem bequemen Narrativ den Vortritt lässt, sagt mehr über den Zustand unserer Medienlandschaft aus als jede Programmreform. Es ist ein Lehrstück darüber, wie in Deutschland mit unliebsamen Fakten umgegangen wird: Man zeigt sie einfach nicht.
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